Expo 2027

Konzeptwettbewerb «Transhumanz»
(2014-2015)

Auftraggeber

Departement für Bau und Umwelt Kanton Thurgau

Arbeitsgemeinschaft

AWP-HHF (Basel und Paris):
Tilo Herlach, Simon Hartmann, Simon Frommenwiler, Alessandra Cianchetta, Marc Armengaud, Matthias Armengaud
Mit Germain Chan, Brigitte Clements, Berenice Gentil, Benjamin Krüger

Expertengruppe:
Philippe Bischof
Maria Luise Hilber (intosens ag)
Thomas Keller
Chus Martínez
Annette Schönholzer
Anna Viebrock

Projektdaten

Expogelände Bodensee-Ostschweiz: 1'273 km2
Wettbewerbsausschreibung: 2014
Konzepteingabe Stufe 2: Juli 2015

Projektgewinnerin

Herzliche Gratulation: Schaefer Markus, Hosoya Schaefer Architects, Zürich 

Expo2027-Konzept «Transhumanz»

Die geplante nächste Schweizer Landesausstellung «Expo2027» soll in der Region Bodensee-Ostschweiz stattfinden, in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, St.Gallen und Thurgau. Das Basler Team AWP-HHF kam in die engere Wahl im Rahmen eines Wettbewerbes ein Konzept auszuarbeiten und zog verschiedene Experten ins Team hinzu. Das ausgearbeitete Projektkonzept basiert auf einem erzählenden «Alpabzug» - von den Berggipfeln zu den Seen, abgeleitet von der regionalen Tradition der Wanderwirtschaft. Der Dialog mit der Bevölkerung und der Welt stand im Zentrum. 

«Transhumanz» - im Dialog mit der Welt:

Die Expo2027 Bodensee-Ostschweiz ist eine grosse kulturelle Erzählwanderung von den Gipfeln des Säntis zu den Ufern des Bodensees. Eine Landesausstellung, bei der sich Erlebnisse, Ereignisse und visuelle Höhepunkte an verschiedenen Standorten abwechseln, sich gegenseitig ergänzen und so miteinander verbinden, dass sie als Bewegung zum See hin, nach Europa und zur Welt hinaus erlebbar ist. Ein grossräumiges, überregionales Expo-Gebiet mit einer Vielzahl von parallel aktiven Spielorten und einer beschränkten Anzahl von Hauptbegegnungsstätten.

Der Prozess ihrer Entwicklung und Gestaltung setzt weit im Vorlauf des Ereignisses mit dem Herrichten ein und führt 2027 in Form attraktiver und einladender Veranstaltungen sowohl zu temporären als auch permanenten Orten: zu Pavillons, Grünanlagen, Wander- und Velopfaden, Verkehrseinrichtungen oder logistischen Infrastrukturen. Es entsteht eine weitläufig angelegte festliche Transhumanz, ein Alpabzug der Ideen und ihrer Exponenten, die als gesamthafte Bewegung zur substanziellen Entwicklung der Region beiträgt, bei allem Respekt vor lokalen Besonderheiten. Der Projektentwurf war von zwei Themenachsen geleitet:

1. Bodensee-Ostschweiz und der Dialog mit der Welt
Diese Region ist stark von ihren Beziehungen zur Nachbarschaft geprägt und lebt gleichzeitig von intensiven Beziehungen zu entfernten Ländern und Kulturen.

2. Wirtschaftliche Dynamik und infrastrukturelle Entwicklung
Bereits mit dem Entstehungsprozess der gesamten Expo-Veranstaltung muss sich für die gesamte Region ein inhärenter, strategischer Mehrwert ergeben. Er beginnt deshalb mit einem Vorlauf von etlichen Jahren, dem Herrichten, und endet auch nicht mit dem Höhepunkt der mehrmonatigen, teilweise spektakulären Ereignisse. Diese beiden Themenachsen machen ein beachtliches und vielfältiges regionales Kulturerbe (Textilindustrie, Maschinenbau, Kloster- und Kirchenbauten, Landwirtschaft u.a.) erfahrbar.

Die Brücke zur Welt: Eine schwimmende Brücke über den See

Als einer der Höhepunkte der Landesausstellung wird am 1. August 2027 eine schwimmende Ponton-Brücke von Romanshorn nach Friedrichshafen symbolisch den Brückenschlag über den See nach Deutschland, nach Europa und in die Welt hinaus sichtbar und begehbar machen. Der trinationale Expo-Raum ist ab diesem Zeitpunkt auch über den See und zu Fuss oder mit dem Velo direkt verbunden. Schwimmende Pavillons und Boote gesellen sich dazu, und es entsteht ein ungewöhnlicher, vielfältig programmierbarer Spielort auf dem Wasser.

Standorte: Hauptbegegnungsstätten, Spielorte und Echoraum
Hauptbegegnungsstätten haben die Funktion von Eingangspforten zum Expo-Gebiet und repräsentieren durch ihre Auswahl die Trägerkantone sowie die typisch landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten der Ostschweiz. Hierfür sind sechs Orte vorgesehen: Säntis, Appenzell, Herisau, Frauenfeld, St.Gallen und eine Ortschaft am See, Romanshorn. Sie bieten eine attraktive und permanent aktive Expo-Infrastruktur an, die zu ausgewählten Zeiten erhöhter Ausstellungs-Intensität durch mobile und temporäre Pavillons erweitert wird.

Nach dem Prinzip des „Primus inter Pares“ ist gleichzeitig immer nur eine der sechs Hauptbegegnungsstätten überdurchschnittlich aktiv und steht dadurch für kurze Zeit im Fokus erhöhter Aufmerksamkeit, während die anderen Hauptorte wie alle Begegnungsorte weiterhin ein aktiver Teil des gesamten Expo-Raums sind.

Die Spielorte hingegen sind als „Schauplätze auf Zeit“ gedacht, die sich abwechseln und mobilen Pavillons oder Wanderdarbietungen eine kurzzeitige Heimat bieten. Während Hauptspielstätten nur in der Ostschweiz vorgesehen sind, kommen als Spielorte auch Standorte im Ausland in Frage.

Als weitere Kategorie gibt es den Echoraum. Dieser aktiviert Bestehendes und wird nur indirekt durch die Expo-Leitung kontrolliert. Zum Beispiel können die in der Region Ostschweiz in grosser Zahl leerstehenden Gasthäuser mit einfachen Mitteln attraktiv gemacht und für ein grosses Expo-Publikum als günstige Übernachtungsmöglichkeit mit einer jungen, regionalen Küche auf lange Zeit hinaus wiederbelebt werden.

Logistik: Effiziente Nutzung bestehender Infrastruktur
Die Region Ostschweiz verfügt bereits heute über ein aussergewöhnlich dichtes Netz an öffentlichem Verkehr, mit welchem nahezu jeder Winkel dieser gänzlich dezentral organisierten Region erreicht werden kann. Die bestehende Infrastruktur wird zur Grundlage der gesamten Mobilitätslogistik und nur punktuell ausgebaut. Durch neue Technologien werden diese Netzwerke effizienter genutzt werden können.

Die Nachnutzung beginnt mit dem Herrichten

Neben einer Vielzahl von bleibenden Eindrücken soll die Expo2027 eine grosse Bandbreite an bleibenden Werten schaffen, weit über die Grenzen der Ostschweiz hinaus. Die Neunutzung (z. B. leerstehende Gasthäuser) und Ergänzung von Bestehendem (z. B. Seepromenade) ermöglicht den Ausbau und die langfristige Sicherung wichtiger identitätsstiftender Infrastrukturprojekte, Landschaften oder kulturhistorisch relevanter Brachen. Ein weiterer wichtiger Teil der Nachnutzung ist die partizipative Organisation der Expo2027. Durch eine gemeinschaftliche Entwicklung und Herstellung der Pavillons werden früh nationale und internationale Partnerschaften und Know-how-Transfers ermöglicht. Eine effiziente Nutzung lokaler Produktionsstandorte stellt sicher, dass auch die Region stark an der Phase des Herrichtens beteiligt ist.

Nachtrag: Die Expo2027 wird nicht stattfinden. Die Bevölkerung des Kantons Appenzell Ausserrhoden hat an der Urne zugestimmt,die Kantone St. Gallen und Thurgau wollen hingegen keine Expo2027.   

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